Rupert Henning im Drehgespräch mit Valentin Hagg - Dor Film, Patrick Topitschnig
André Heller Verfilmung

Regisseur Henning: "Vom Buch abweichen ist erwünscht."

Text: Planet Drei Redaktion

Am 1. März startet in den Kinos die Verfilmung von André Hellers Roman "Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein". Für den Film zeichnet Rupert Henning als Regisseur Verantwortung. Im Interview erzählt er uns, wie wichtig es war, dass André Heller ihm freie Hand beim Drehbuch gegeben hat.

Planet Drei: Herr Henning, was hat Sie an dem Buch so fasziniert, dass Sie es verfilmen wollten?

Rupert Henning: André Hellers Geschichte über den charmant-schelmischen Sonderling Paul Silberstein ist einfach außergewöhnlich unterhaltsam, verführerisch, raffiniert und abwechslungsreich. Obwohl sie in den 1950er Jahren spielt und genuin österreichisch ist, greift sie zugleich sehr weit, steckt voller Wahrhaftigkeit, Humor und Poesie und kann darum, wie ich glaube, allerorts verstanden werden.

Ich hatte beim Lesen der Erzählung schon lauter laufende Bilder im Kopf - sozusagen einen inneren Film. Anderen Menschen wie meinem langjährigen Freund und Schreibpartner Uli Brée ging es ebenso. Unser innerer Film war schlicht so spannend, dass wir ihn unbedingt auf die große Leinwand bringen wollten.

Am Filmset proben Darsteller Udo Samel und Regisseur Rupert Henning einen Nervenzusammenbruch.

Planet Drei: André Heller hat Ihnen beim Drehbuch freie Hand gegeben. Wie wichtig war das für Sie?

Henning: Sehr wichtig. Das zeugt von großer Wertschätzung - und ebenso großem Vertrauen. Selbstverständlich bedeutet es aber auch eine enorme Verantwortung – wie jede Freiheit. Die Erzählung zählt, wie André Heller selber sagt, zu seinen absoluten „Herzblutverwirklichungen“ – und dass er uns dazu ermutigt hat, unsere eigene Version seiner Geschichte zu suchen, zu finden und zu erzählen, dass er das Drehbuch – wiederum in seinen eigenen Worten – letztlich „bemerkenswert gelungen“ fand, ist zweifellos sehr schön und erfreulich.

Planet Drei: Wie nah sind sie am Buch? Wie weit haben sie Abweichungen gemacht?

Henning: Die Aufgabe bestand darin, aus einer literarischen Vorlage eine eigenständige Filmerzählung zu entwickeln. Sonst braucht man‘s erst gar nicht zu machen, denn das Buch mit der Erzählung von André Heller gibt es ja immerhin schon. Also soll das Publikum, wenn es ins Kino geht, ein anderes Erlebnis als beim Lesen haben. Anderenfalls stiehlt man den Leuten bloß ihre Zeit. Abweichungen sind demgemäß gestattet und sogar erwünscht, solange es im Großen und Ganzen der gleiche Weg bleibt, den die Geschichte nimmt. Filme sind übrigens, wie ich finde, eigentlich immer Literaturverfilmungen, da schließlich auch Drehbücher Literatur sind.


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Planet Drei: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, die richtige Besetzung zu finden?

Henning: Die Auswahl der Schauspieler ist stets ein anspruchsvoller, für die ganze künstlerische Unternehmung äußerst wichtiger Prozess. Und das gilt nicht nur für die Wahl der Hauptdarsteller. Auch wenn jemand im Film „nur“ durchs Bild geht und dabei nicht ein Wort sagt, verdient er entsprechende Aufmerksamkeit. Denn er ist Teil des Ensembles, das uns allen die Geschichte vermittelt. Die Entscheidungen beim Besetzen sind selten einfach, aber das macht die Sache ja auch so spannend. Wir haben uns im Team also sehr viel Zeit für die ganze Besetzung genommen, viele, viele Monate – und sind dafür reich belohnt worden.

Hauptdarsteller Valentin Hagg und Rupert Henning.
Plakat des Films Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

Planet Drei: Hat André Heller den Film schon gesehen?

Henning: André Heller hat im Entstehungsprozess während eines Test-Screenings eine Rohfassung des Films gesehen - einen Zwischenstand, wenn man so will. Bis ein Film fertig ist und in die Kinos kommt, dauert es ja oft geraume Zeit. Man erarbeitet nicht selten verschiedene, längere und kürzere Versionen und feilt ausgiebig an zahlreichen Details auf der Bild- und Tonebene.

Planet Drei: Was hat er dazu gesagt?

Henning: Die finale Version unseres Films wird André Heller wie alle anderen Menschen bei der Premiere in Wien sehen. Im Team sind alle selbstverständlich sehr gespannt darauf, was er sagen wird. Ich denke, es ist für ihn bestimmt ein Erlebnis der besonderen Art, seine eigene Geschichte auf der Leinwand zu sehen. Wie er es am Ende dann findet, kann nur er beantworten.

Planet Drei: Herr Henning, vielen Dank für das Gespräch.


Fotos: Copyright Filmladen, Dor Film / Patrick Topitschnig

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